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Studientagung der AG der Säkularinstitute Deutschland 4.-6.9.2026, Vallendar-Schönstatt

16.09.2026 Sr. M. Lioba Ruprecht
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Risikofreude – eine unterschätzte christliche Tradition

Studientagung der AG der Säkularinstitute Deutschland 4.-6.9.2026, Vallendar-Schönstatt

Die AG der Säkularinstitute Deutschlands lud vom 4.-6.9.2026 ins Exerzitienhaus der Schönstätter Marienschwestern auf Berg Schönstatt in Vallendar ein. Wegen der Terminverschiebung konnten nur 15 Mitglieder der Einladung folgen. Alle waren sich jedoch am Ende der Tagung einig: Es hat sich gelohnt, dabei zu sein. Wir gehen mit neuem Mut in unseren Alltag zurück, motiviert, dort wo wir sind, uns einzubringen.

Dem Referenten, Prof. Dr. Wolfgang Beck von der Hochschule Frankfurt-St. Georgen, gelang es am Vormittag und Nachmittag des 5.9., alle zum Nachdenken zu bringen.

Risikofreude – eine unterschätzte christliche Tugend

In unserer Gegenwartskultur wächst die Unübersichtlichkeit. Die Vielfalt der Möglichkeiten durchzieht alle Lebensbereiche. Welchen Beruf soll ein junger Mensch wählen, was machen diejenigen, die in die Rente kommen? Der Freiheitsgewinn bringt einen Verlust an Ordnung mit sich. Andererseits möchte man doch auch von anderen gesehen werden, etwas Besonderes sein. Die eigene Identität zu finden wird zunehmend eine Gestaltungsaufgabe. Damit ist jedoch immer auch das Risiko des Scheiterns verbunden, und das kann Ängste auslösen. Die Angst, nicht dazuzugehören, plagt manche Menschen ihr ganzes Leben lang.

Wie nimmt die Kirche diese Realität wahr? Welche Chancen hat sie, dass Suchende Anschluss finden? Wolfgang Beck zeigte an Beispielen, wie einzelne Gestalter, Männer oder Frauen, sich nicht mit bedrückenden Gegebenheiten abfinden. Sie bewegen etwas zum Guten. John George etwa, der im heruntergekommenen Detroit, USA, langsam die Verhältnisse zum Besseren wendet, lebt mit der Devise: Ich bleibe, ich packe an, ich nutze Freiräume, ich gebe alles! (John George, Blight Busters). Die Pastorin Faith Fowler lässt dort unterschiedliche Minihäuser für Obdachlose bauen und setzt gegen das Einerlei auf Individualität. Der Architekt Alejandro Aravena aus Chile baut zum niedrigeren Preis Häuser, die zur Hälfte erst ausgebaut sind und noch gestaltet werden können, je nach Bedarf.

Welche Gestaltungsräume gibt es für die Kirche? Auch sie will an die Ränder, lebt mit Unschärfen, schaut auf den Einzelnen, wenn sie auch andererseits an der Traditionslinie der Kontinuität und Entschiedenheit festhält. Sie öffnet sich für alle Menschen, ist am Gemeinwohl orientiert und nimmt Kontakt auf. Der kürzeste Weg zwischen zwei Menschen ist ein Lächeln, sagt ein Sprichwort. „Pathische Pastoral“ nannte das Wolfgang Beck.

Das Echo der Teilnehmerinnen und Teilnehmer

Diese Anstöße weckten je unterschiedliche Resonanz: Es ist eine Kunst, in der Begleitung von Menschen Freiheit zu ermöglichen und gleichzeitig Halt zu geben. Wer selbst in der Haltung eines Suchenden bleibt, dem gelingt das besser. Risikofreude setzt voraus, dass man eine feste Verankerung hat. Dann kann man flexibel auf Herausforderungen reagieren.

Was geben wir jungen Leuten, die von vielem umgetrieben werden, die in vielen Bereichen keinen Sinn sehen und ohne Orientierung sind? Es kommt auf unsere Präsenz an, so war die einhellige Meinung. Unser Menschsein, unser Dasein in den je eigenen Lebensfeldern hat eine Wirkung. Wir können tatsächlich als Gottgeweihte, als Mitglieder von Säkularinstituten, Zeichen setzen.

Risikofreude, das war auch eine Haltung, die die Gründer der Säkularinstitute auszeichnete. Es lohnt sich für jedes Institut, hier auf Suche zu gehen.

Ein Beispiel für Risikofreude

Anschaulich erlebten die Teilnehmenden diese Freude nach dem Beitrag von Wolfgang Beck beim Besuch der Ausstellung „100 Jahre Schönstätter Marienschwestern“. Diese waren das erste Säkularinstitut in Deutschland, das im Jahr 1948 zuerst diözesan dann päpstlich anerkannt war. Sr. M. Veronika Riechel erzählte den Werdegang der Gemeinschaft, die inzwischen in allen Erdteilen verbreitet ist. Jetzt wurde auch deutlich, warum es so viele Schönstattkapellen hier am Ort gibt. Es waren die ersten Missionarinnen in Uruguay, die die Erfahrung machten: Ohne das Schönstattheiligtum können wir den Leuten erzählen, was wir wollen. Wir müssen Maria bitten, dass sie selbst hier wirksam wird, wir brauchen das Kapellchen hier. Sie fanden einen Architekten, der mit Hilfe eines kleinen Fotos und der Beschreibung der Schwestern die Pläne entwarf. In der Folge erhielten viele Länder ihren Schönstatt-Ort. Und es gibt inzwischen über 200 originalgetreue Nachbildungen der ersten Kapelle im Tal in Schönstatt.

„Unsere Studientagung darf nicht ausfallen, sie darf nicht nur digital stattfinden, wir müssen uns begegnen.“ So die einhellige Meinung der Beteiligten. Beim nächsten Mal können vielleicht diejenigen Institute wieder dabei sein, die jetzt institutseigene Veranstaltungen hatten.