Diese Aussage meiner Mutter bei ihrem ersten Kontakt mit dem Institut St.Bonifatius hat dort keinen erschreckt. Ich konnte meinen Weg in die Gemeinschaft beginnen so, wie ich war - einen benediktinischen Weg mitten in unserer Welt.
Davor lagen für mich wichtige Etappen meines Lebens, die Orientierungspunkte für diese Form der Nachfolge Christi wurden:
Der Beginn meines Studiums in den bewegten 68-ger Jahren, die mein Interesse am Glauben in den aktuellen politischen Prozessen auf ‚Sparflamme’ brachten. Dann 1972 eine erste Begegnung mit der Jugendbewegung von Taize. Ich fing Feuer und begann in dieser neu entdeckten Spur zu suchen. Nach dem Staatsexamen für das Lehramt trieb mich der Berufswunsch „Diplomatischer Dienst“ nach London, wo ich erstmalig Frauen des Instituts St.Bonifatius begegnete. Ihre Lebensweise weckte in mir eine Mischung aus Neugier und Faszination. Ich erfuhr bei ihnen benediktinische Gastfreundschaft, erlebte sie bei ihrer Arbeit und spürte, wie ihr Lebensrhythmus „ora et labora“ fest in einer Christus-Freundschaft verankert war. Dies weckte in mir den Wunsch, auch selbst solch ein Lebenskonzept zu finden. Gleichzeitig war da der innere Widerstand. Ich wollte die erträumte Berufskarriere um jeden Preis verwirklichen. Zwei Jahre ehrliches Ringen brachten mir dann die Klärung, und ich konnte 1977 den Schritt in die Gemeinschaft wagen.
Hier entdeckte ich, dass die missionsbenediktinische Spiritualität als Lebensform mitten unter den anderen für mich wie geschaffen war. Ich konnte Wurzeln schlagen, zu meinen Lebensquellen finden und in eine neue Gottesbeziehung wachsen. Es war für mich der wichtigste Schritt, mein ganzes Leben Gott zu übergeben.
Nun hat sich mein ursprünglicher Berufswunsch, mitten im gesellschaftlichen Leben tätig zu werden und ein Stück Welt zu gestalten, auf eine ganz andere Weise, als von mir geplant, erfüllte. Aber es wurde nicht weniger anfordernd und spannend. Mein Auftrag, junge Menschen bei ihrer Suche nach Sinn und einem tragfähigen Lebenskonzept zu begleiten, führte mich zuerst nach Paris, dann in die Jugenbildungsarbeit nach Detmold -Kupferberg und schließlich bis jetzt nach Rom. Mein Engagement für Menschen und unseren gemeinsamen Auftrag in der Kirche werden immer mehr geprägt vom benediktinischen „ora et labora“, vom Einstehen füreinander in unserer Gemeinschaft und vom Weg der Christus-Nachfolge, der uns in diese seine Spur geführt hat.- Nach gut 30 Jahren kann ich nur sagen: „Es ist ein guter Weg. - Nein, ich bereue nichts!“
Maria Lohre, Rom